Der geplante Ausbau
Die geplante Straßenbahntrasse über Bodenheimer Straße, Hewwel und Kühborn
Im Rahmen des Ausbauprogramms „M wie Zukunft – Meine Straßenbahnstadt“ planen die Landeshauptstadt Mainz und die Mainzer Mobilität eine neue Straßenbahnstrecke, die das Heiligkreuz-Viertel und die Uniklinik an das bestehende Netz anschließen soll. Das Teilprojekt 3 betrifft die Stadtteile Oberstadt, Weisenau und Hechtsheim-Ost.
Aktueller Planungsstand
Die konkrete Streckenführung steht noch nicht fest. Seit März 2023 läuft ein Beteiligungsverfahren, in dem Bürgerinnen und Bürger sowie Interessengruppen einbezogen wurden. Am 12. Mai 2026 hat ein Interessenbeirat seinen Abschlussbericht an den Oberbürgermeister übergeben. Der Interessenbeirat empfiehlt eine Vorzugsvariante, die sich aus drei Streckenabschnitten zusammensetzt:
- Hauptbahnhof West – Am Linsenberg – Langenbeckstraße – Philippsschanze – An der Goldgrube
- Hechtsheimer Straße – Alte Mainzer Straße – Weisenauer Weg – Am Alten Wasserwerk – Bodenheimer Straße – Auf dem Hewwel – Am Kühborn bis Zur Laubenheimer Höhe/K13 (südlich des geplanten Baugebiets He 130)
- Am Stiftswingert – Göttelmannstraße – Heiligkreuzweg (bis Max-Hufschmidt-Straße)
Der Stadtrat hat am 17. Juni 2026 der Beschlussvorlage zugestimmt, den Untersuchungsbereich für die Straßenbahntrasse (TP3) auf den Bereich Hechtsheim und Weisenau auszuweiten. Dabei wurde keine endgültige Streckenführung festgelegt und keine Bauentscheidung getroffen. Der Stadtrat unterstützt jedoch, das Teilprojekt bereits ab dem Abschnitt Hauptbahnhof West weiterzuentwickeln und die Trassenführung entlang der Langenbeckstraße als vorrangig zu vertiefende Option zu prüfen. Auch mögliche Verlängerungen über das Heiligkreuz-Viertel hinaus nach Weisenau und zur Frankenhöhe sollen näher untersucht werden.
Der Streckenabschnitt über die Frankenhöhe und den Hewwel
Für den Verein „Lebenswerte Frankenhöhe e.V.“ ist der zweite der genannten Abschnitte besonders relevant. Geplant ist, dass die Strecke von der Hechtsheimer Straße über die Alte Mainzer Straße, den Weisenauer Weg, Am Alten Wasserwerk und die Bodenheimer Straße verläuft, anschließend den Hewwel überquert, wo eine Haltestelle vorgesehen ist, und über den Kühborn bis Zur Laubenheimer Höhe/K13 (Abschnitt liegt südlich des geplanten Baugebiets He 130) verläuft, wo sie in einer Wendeschleife im Bereich des Boltzplatzes endet.
Der Interessenbeirat hat diesen Abschnitt als Vorzugsvariente bewertet, das Heiligkreuz-Viertel anzubinden, da andere Varianten aus wirtschaftlichen und umweltbezogenen Gründen verworfen wurden. Die Planung sieht vor, dass die Wohngebiete Vogelsbergstraße, Großberg und Frankenhöhe südlich der A60 erschlossen werden. Auf dem Hewwel ist aufgrund der geringen Straßenbreite eine eingleisige Führung vorgesehen. Als Alternative hat der Interessenbeirat eine Variante vorgeschlagen, die um das Wohngebiet herum führt.
Im Beirat gab es zu diesem Abschnitt kontroverse Diskussionen. Einzelne Mitglieder äußerten Bedenken zu Lärm- und Erschütterungsbelastungen sowie zu Kurvenlage und Sicherheit. Sie plädierten für eine weiträumige Umfahrung der Frankenhöhe. Die Mehrheit des Beirats sprach sich jedoch für die direkte Erschließung über die Bodenheimer Straße, Auf dem Hewwel und Am Kühborn aus.
Für den weiteren Planungsprozess wurden unter anderem folgende Punkte genannt: Prüfung von Maßnahmen zur Reduzierung von Schall und Erschütterungen, Prüfung einer abschnittsweise oberleitungsfreien Fahrt, Minimierung von Fahrgeräuschen durch geeignete Kurvenradien, sichere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrende sowie Erhalt einer direkten Busverbindung von der Frankenhöhe zum Bahnhof Römisches Theater.
Der Oberbürgermeister Nino Haase, die Dezernentin Frau Streinkrüger und der Projektleiter Christian Jakobs der Mainzer Mobilität haben zugesagt, ab jetzt die Anwohner:innen der Frankenhöhe intensiv in die aktuellen Planungen vor der anstehenden Stadtratsentscheidung einzubeziehen.
Nutzen-Kosten-Untersuchung und Förderfähigkeit
Für die Realisierung von Straßenbahnprojekten ist eine standardisierte Nutzen-Kosten-Untersuchung (NKU) erforderlich. Dabei werden Bau-, Betriebs- und Instandhaltungskosten dem gesellschaftlichen Nutzen, etwa Zeitersparnissen, besserer Erreichbarkeit und CO₂-Einsparungen, gegenübergestellt. Ein Nutzen-Kosten-Faktor über 1,0 ist eine zentrale Voraussetzung dafür, dass das Projekt Fördermittel von Bund und Land erhält. Die Bundesförderquote für neue Straßenbahnprojekte liegt derzeit bei bis zu 75 Prozent der Baukosten. Bei einer zusätzlichen Übernahme der Plaungskosten würde die Förderung bei bis zu 90% liegen.
Aus Sicht der Planer ist deshalb eine hohe Erschließungswirkung wichtig. Die Vorzugsvariante soll nicht nur das Heiligkreuz-Viertel und die Uniklinik anbinden, sondern auch die Wohngebiete Vogelsbergstraße, Großberg und Frankenhöhe südlich der A60 erschließen. Nach Darstellung des Interessenbeirats erzielt diese direkte Erschließung der Frankenhöhe über die Bodenheimer Straße, Auf dem Hewwel und Am Kühborn ein hohes Fahrgastpotenzial. Ob und in welchem Umfang eine kürzere Strecke ohne diese südliche Erschließung ausreichen würde, um die Voraussetzungen für eine Bundesförderung zu erfüllen, ist Gegenstand der weiteren Untersuchungen.
Weiterführende Links
- Pressemeldung der Stadt Mainz vom 12. Mai 2026: Interessenbeirat übergibt Abschlussbericht
- M wie Zukunft: Teilprojekt 3 – Heiligkreuz-Viertel und Uniklinik
- M wie Zukunft: Aktueller Planungsstand
- M wie Zukunft: Stadtrat legt weitere Planungsschritte fest (19. Juni 2026)
- Abschlussbericht des Interessenbeirats (PDF)
- TOP Ö 69 der Stadtratsitzung am 17.06.2026: „Das Mainzer Straßenbahnnetz weiter ausbauen!„ (Antrag 0943/2020) - Sachstandsbericht zur Variantenbetrachtung für Teilprojekt 3 (Anbindung Heiligkreuz-Viertel) und Beschluss über die weitere Vorgehensweise
Hinweis: Diese Darstellung wird laufend aktualisiert. Quellen und weiterführende Dokumente werden ergänzt, sobald sie öffentlich verfügbar sind.
